Rumpelstilzchen

7. Dezember

Erzähler, räuspert sich: Also. Äh. Darf ich dann mal? Könnte ich dann weiterfahren? Einverstanden? Also, dann will ich mal: Es geschah, dass der Müller mit dem König zu tun hatte…

Alice: Halt, halt! Wir haben etwas ausgelassen! Die schöne Lene war doch eingesperrt. Herr Sigmund, sag, das muss doch wichtig sein!

Sigmund: Allerdings!

Erzähler: Muss das sein? Wir sind aktuell in der siebten Episode. Ich möchte auf keinen Fall eine zweite Staffel anhängen.

Alice: Ich habe aber das Gefühl, nein die Gewissheit, dass dieses Eingesperrt-Sein ein Schlüsselereignis, was sag ich, DAS Schlüsselereignis überhaupt ist!

Sigmund: Allerdings, allerdings.

Die schöne Müllerin: Es war schrecklich. Drei Tage und drei Nächte grollte der Mann. Drei Tage und drei Nächte war Lene eingesperrt in der dunklen Kammer.

Alice: Warum hasst du sie nicht befreit?

Die schöne Müllerin: Der Mann hat den Schlüssel abgenommen. Ich flehte und weinte. Ich bat ihn, Vernunft anzunehmen. Umsonst! Er blieb hart.

Alice: Warum hast du nicht Hilfe geholt?

Die schöne Müllerin: Hab ich doch. Aber die Leute fürchteten ihn. Keiner wollte wirklich Hand anlegen. Es ist kompliziert, wir hatten die einzige Mühle im weiten Umkreis. Keiner wollte es sich mit dem Müller verscherzen.

Alice: Und die Verehrer?

Die schöne Müllerin: Sie zogen ab. Allesamt. Erst nach drei Tagen und Nächten erbarmte sich der Mann und schloss die Türe auf.

Wandersmann: Stimmt nicht. Ich war noch da! Ich der Müllersbursche, der Helfer. Ich …

Alice: Und Lene?

Die schöne Müllerin: Sie … (verstummt).

Die schöne Lene: Ich war völlig schockiert. Mein Vater, mein geliebter Vater sperrte mich ein. Hat mich nicht einmal angehört. Liess mich nicht zu Wort kommen. Plötzlich war ich im dunklen Raum allein. Ohne Ausweg. All mein Flehen blieb ungehört. Ich weinte wohl Tag und Nacht. Dann setzten mir Durst und Hunger und Kälte zu. Ich dachte, alle hätten mich verlassen. Ich fühlte mich so … ohnmächtig. Danach war ich lange Zeit sehr krank.

Die schöne Müllerin: Lene bekam eine schwere Grippe und Lungenentzündung. Ich bangte um ihr Leben. Als das Fieber fiel und ich wusste, dass es sich nun entscheiden würde, ob sie weiterleben oder sterbe würde, da flehte ich die Götter an. Alle Götter, die ich kannte.

Alice: Und?

Die schöne Müllerin: Lene überlebte. Doch ich konnte meinem Mann nicht vergeben.

Alice: Und du Lene?

Die schöne Lene: Ich muss wohl die fröhliche Einstellung meiner Mutter geerbt haben. Ich erwachte aus meinen Fieberträumen mit einem unbändigen Hunger. Meine Mutter brachte mir alles, was ich wünschte: Hühnerbrühe, gekochte Apfelstückchen, Zwiebelkompott. Ich blieb in ihrer Nähe. Half ihr, wo ich nur konnte und sprach kein einziges Wort mehr mit meinem Vater.

Die schöne Müllerin: Was ich nicht verstand, dass der Mann so verhärtet blieb. Nie sagte er ein Wort des Bedauerns. Wenn ich mich nicht hätte um Lene kümmern können, ich wäre verbittert geworden. So hatte ich eine Aufgabe.

Alice: Und Herr Sigmund, was sagst du dazu?

Sigmund: Sehr Komplex.

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